«Jetzt beginnt faktisch eine neue Zeitrechnung»
Die Konzessionserneuerung der Muotakraftwerke, grosse Investitionen in Infrastruktur und Versorgungssicherheit sowie neue Abrechnungsmodelle prägen das Geschäftsjahr 2025. Verwaltungsratspräsident Richard Föhn und Vorsitzender der Geschäftsleitung Hans Bless blicken im Doppelinterview auf ein aussergewöhnliches Jahr zurück.
Highlights in Bewegtbild
Richard Föhn und Hans Bless
Verwaltungsratspräsident und Vorsitzender der Geschäftsleitung
Das ausführliche Interview
Was war im vergangenen Jahr für euch persönlich der prägendste Moment?
Hans Bless: Ganz klar die Konzessionserneuerung. So richtig realisiert habe ich das am 18. September, als wir gemeinsam mit Vertretern des Bezirks Schwyz, der OAK, der Genossame Muotathal und der Korporation Uri den Konzessionsvertrag unterzeichnen konnten. Auf diesen Moment haben wir jahrelang hingearbeitet.
Richard Föhn: Für mich war es der Abstimmungssonntag vom 18. Mai. Als das Resultat mit 95,3 Prozent Zustimmung feststand, war die Freude riesig. Besonders berührt haben mich auch die vielen positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung.
Ein Ja-Anteil von über 95 Prozent ist in der Tat eindrücklich. Was bedeutet dieses Resultat für ebs?
Richard Föhn: Es ist ein ausserordentlich starker Vertrauensbeweis und eine klare Wertschätzung der Arbeit, die ebs in den letzten Jahrzehnten geleistet hat. Gerade in einer Zeit mit zunehmenden Regulierungen und einem immer komplexeren Umfeld zeigt dieses Resultat, dass gute Lösungen möglich sind, wenn alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten.
Hans Bless: Für ebs ist es vor allem auch die Legitimation, weitere 80 Jahre erneuerbare und CO2-freie Energie aus der Muota zu produzieren.
Wie geht es nach der Konzessionserneuerung nun weiter?
Richard Föhn: Es beginnt faktisch eine neue Zeitrechnung. In den vergangenen Jahren standen Erneuerungs- und Ersatzinvestitionen im Vordergrund, vielfach mit dem Fokus auf den sicheren Betrieb bestehender Anlagen. Jetzt können wir wieder Neues schaffen und grosse Vorhaben anpacken, die über einzelne Erneuerungen hinausgehen.
Jetzt können wir wieder Neues schaffen und grosse Vorhaben anpacken, die über einzelne Erneuerungen hinausgehen.
Hans Bless: Das erfordert auch eine strukturelle Weiterentwicklung. So haben wir zum Beispiel neu zwei Bauleiter angestellt, um das notwendige Know-how für die kommenden Projekte im Haus zu haben.
Auch über die Konzessionserneuerung hinaus lief vergangenes Jahr einiges: Die Sanierung des Schrägschachts beim Kraftwerk Glattalp stellte euch vor Herausforderungen.
Hans Bless: Das stimmt. Ursprünglich war der Abschluss für Dezember vorgesehen, effektiv wurde es Ende Januar 2026. Der Ausbau und Einbau der rund 130 neuen Druckrohre tief im Berg war logistisch und technisch anspruchsvoller als geplant – nicht zuletzt wegen der schwierigen Topografie. Umso erfreulicher ist es, dass die Anlage nach einem Jahr Stillstand nun wieder zuverlässig Strom aus einheimischer Wasserkraft produziert.
Wie stellt ebs während solcher Eingriffe die Versorgungssicherheit sicher?
Hans Bless: Das erfordert eine langfristige und präzise Planung. Parallel zu den Bauarbeiten müssen wir die Energie, die in dieser Zeit nicht produziert werden kann, über den Markt beschaffen. Diese Prozesse werden frühzeitig vorbereitet, damit unsere Kundinnen und Kunden von solchen Grossprojekten möglichst wenig spüren.
Richard Föhn: Wir investieren teilweise für 40 bis 80 Jahre und müssen dennoch kurzfristig reagieren können. Diese Spannung macht die heutige Zeit herausfordernd und interessant. Man könnte es so zusammenfassen: Wir investieren viel in Stabilität, damit wir flexibel bleiben – heute und in Zukunft.
Ihr habt 2025 aber nicht nur bestehende Anlagen saniert, sondern in Ibach und in Muotathal auch zwei neue Photovoltaikanlagen realisiert. Setzt ebs künftig stärker auf die Kraft der Sonne?
Hans Bless: Photovoltaik ist heute ein tragender Pfeiler der Energieversorgung. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, etwa in der dezentralen Produktion, bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich – von Netzfragen bis zu Marktmechanismen –, die noch vor zehn Jahren kaum ein Thema waren.
Richard Föhn: Es geht auch ums Vorleben. Wenn Sonnenenergie kontinuierlich an Bedeutung gewinnt, ist es wichtig, dass wir als Unternehmen ebenfalls aktiv sind und Erfahrungen sammeln.
Auch die neu eingeführten Tarifzeiten haben mit der Sonnenenergie zu tun: In den Sommermonaten gilt fortan von 12 bis 15 Uhr der Niedertarif. Was steckt hinter dieser Neuerung?
Hans Bless: Die steigende Anzahl an Photovoltaikanlagen sorgt für eine hohe Einspeisung ins Netz und tiefe Marktpreise während der sonnenreichen Mittagsstunden im Sommer, wenn besonders viel erneuerbare Energie produziert wird. Mit angepassten Tarifzeiten schaffen wir Anreize, Strom dann zu nutzen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist.
Hans, dies ist dein letzter Geschäftsbericht als Vorsitzender der Geschäftsleitung. Ende Juli übergibst du dein Amt an deinen Nachfolger. Was geht dir dazu durch den Kopf?
Hans Bless: Ich blicke auf 16 intensive Jahre mit vielen spannenden Projekten, Herausforderungen und Begegnungen zurück. Die Konzessionserneuerung ist sicher ein Meilenstein, den man nur einmal im Berufsleben erlebt. Prägend war für mich aber vor allem die kontinuierliche Unterstützung unserer Mitarbeitenden und ihr grosses Engagement für ebs.
Ich blicke auf 16 intensive Jahre mit vielen spannenden Projekten, Herausforderungen und Begegnungen zurück.
Richard Föhn: Dass in dem Unternehmen alle an einem Strick ziehen, ist nicht zuletzt dir zu verdanken. Hans hat unser Unternehmen in den vergangenen Jahren von einem klassischen Stromversorger zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen weiterentwickelt und dabei stets den Nutzen für Kundinnen und Kunden und Mitarbeitende im Blick behalten. Dafür gebührt ihm grösster Respekt.
Hans, wie geht es für dich nun weiter?
Hans Bless: Ich bleibe dem Unternehmen bis auf Weiteres in einer Mandatsphase beratend erhalten und unterstütze dort, wo es sinnvoll ist. Daneben freue ich mich auf mehr Zeit für mein Hobby, das Reisebusfahren, sowie auf die Arbeit auf meinem Bauernhof im Flumserberg.
Mit Stefan Vogler steht der neue Vorsitzende der Geschäftsleitung fest. Was ist euch für den Übergang wichtig?
Hans Bless: Stefan arbeitet seit über drei Jahren bei uns und kennt sowohl die Organisation als auch die Menschen dahinter. Für mich ist wichtig, dass er versteht, wie und warum gewisse Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen wurden. Gleichzeitig soll und muss er seinen eigenen Weg gehen. ebs weiterzuentwickeln, heisst nicht, alles gleich zu machen, sondern neue Akzente zu setzen. Oder anders gesagt: Wer Spuren hinterlassen will, muss neue Wege gehen.
Wer Spuren hinterlassen will, muss neue Wege gehen.
Richard Föhn: Das deutliche Abstimmungsresultat ist auch ein Auftrag für die Zukunft. Dieses Vertrauen wollen und müssen wir rechtfertigen – mit verlässlicher Arbeit und klarem Fokus auf eine sichere, nachhaltige Energieversorgung. Ich bin überzeugt, dass Stefan Vogler dafür die besten Voraussetzungen mitbringt.